28.1.2015 #diskursiv: Bitter Orange

Bäckerei: Gilles Reckinger war am 28.1. 2015 in der Bäckerei. Diesmal erzählte er von seinen neuesten Untersuchungen zu den Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter_innen in Kalabrien, auf den Orangenplantagen.

Von November bis Februar ist die Haupterntezeit für die Orangen und Clementinen in der Ebene um Rosarno in Kalabrien – Hochsaison für die afrikanischen Erntearbeiter, die zumeist als Bootsflüchtlinge über die Insel Lampedusa nach Europa kamen. Die Bauern zahlen schlecht und legale Arbeitsverträge gibt es kaum. Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, können die Arbeiter an einem 12-Stundentag kaum mehr als 20 Euro verdienen. Die meisten finden nicht jeden Tag Arbeit, denn die Konkurrenz ist groß. Sie müssen in Notunterkünften am Rande der Stadt leben, an deren Rändern sich Slums aus plastikverstärkten Kartonbehausungen ausbreiten.

Gemeinsam mit der Fotografin Carole Reckinger forschen die Anthropologen Dr. Diana Reiners und Prof. Dr. Gilles Reckinger in Rosarno, um die Lebensbedingungen der Migranten verstehen zu lernen und ihre sklavenähnlichen Arbeitsverhältnisse in den öffentlichen Blick zu rücken. Dabei eröffnen sich sensible Zeugnisse einer Lebenswelt, die von extremer Armut und sozialer Ausgrenzung, aber auch von gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt geprägt ist.

Siehe auch: www.bitter-oranges.com

Bitter Oranges

(Foto: Carole Reckinger)

 

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14.1.2015 #diskursiv: Subjekte des Tracks

p.m.k.: Der Kulturwissenschaftler Jochen Bonz erzählte über die Kultur des Technos. Unter den Name  "Subjekte des Tracks". gab es einen Vortrag und dieMöglichkeit zur Diskussion und im Anschluss Tracks zur Subjektbildung von Asumi (Tyrolean Dynamite/ Pyjamas).

In den 90er Jahren führte Jochen Bonz eine ethnografische Studie über die Kultur rund um House Music und Techno durch. Als Ergebnis beschrieb er eine Form der Subkultur, die sich in wesentlichen Aspekten von früheren Subkulturen der Popmusik unterschied: Der Körper hatte einen anderen Stellenwert, die Musik 'erzählte' in anderer Weise, andere Erfahrungen des Selbst schienen möglich. In seinem Vortrag blickt er auf die Ergebnisse der Studie und ihre Methodik zurück. Das anschließende Gespräch thematisiert Veränderungen, die zwischen damals und heute in der Szene der elektronischen Dance Music stattfanden, sowie die methodologische Frage: Wie wäre es heute sinnvoll, über das, was aus Techno geworden ist, zu forschen?

Jochen Bonz ist Universitätsassistent in der Europäischen Ethnologie an der Universität Innsbruck. Darüber hinaus ist er Gastredner zahlreicher popkultureller Veranstaltungen. Zuletzt bei den Techno Studies an der Universität der Künste in Berlin.