30.10.2018 #diskursiv: White noise - reaktionärer muskalischer Underground in Österreich

Am 30.10.2018 werden wir den leider letztes Jahr abgesagten Vortrag "White Noise – reaktionärer musikalischer Underground in Österreich" vom "Nichtsgewusst Kollektiv" im Cafe Decentral nachholen. Inhaltlich geht es um Subkultur und rechte Ideologien.

Abseits vom politisch eindeutig konnotierten Rechtsrock konnte sich im Österreich der späten 1980er im musikalischen Underground zwischen Gothic, Neo-Folk und Noise eine Landschaft von Musiker*innen, Bands und szeneeignen Publikationen etablieren, die nicht nur selbst von Beginn an offen mit nazistischen, faschistischen und anderen Ideologien gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit agierte, sondern sich nie mehrheitlich einer politischen Rezeption und Vereinnahmung durch politische Organisationen und Personen widersetzte. Vielmehr ging sie selbst im Gros dazu über, die Musik und die damit zusammenhängenden publizistischen Tätigkeiten als Instrument einer reaktionären politischen Agenda zu begreifen.
Weitere Infos:
http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu

Café DeCentral, Hallerstrasse 1, 6020 Innsbruck
Doors: 20:00
white noise
white noise

2.11.2018 Reclaim your Club - Club against reality

Am 2.11.2018 starten wir mit unserem Projekt „reclaim your club“. Wir wollen den Club als Raum für politische Auseinandersetzung und kritische Positionen gewinnen. Dafür sind vier Abende in Innsbruck geplant, die temporär zu einem kritischen Clubraum werden. Die Umsetzung emanzipatorischer Praktiken und Ansprüche erfordert neben Reflexionsfähigkeit und Selbstkritik, auch eine theoretische Auseinandersetzung, mit der eigenen Kulturproduktion. Daher wird jede Veranstaltung unter einem inhaltlichen Schwerpunkt stehen. 

„reclaim your club - club against reality – space for political club culture"

Unsere erste Veranstaltung wird in der p.m.k. in Innsbruck stattfinden. Für diesen Abend haben wir die Künstler*innen Gunver Ryberg, nita., Whyami und Therese Terror eingeladen. Letztere ist Teil des Wiener Kollektivs femdex. Therese Terror ist sowohl als Dj als auch als Diskutantin in unserem Talk zu Gast. Sie wird von ihrer Arbeit bei femdex und ihren Utopia3000 Veranstaltungen berichten. Gemeinsam werden wir über Rahmenbedingungen emanzipatorischer Clubkultur und Möglichkeiten politischer Clubarbeit diskutieren.

21:00: Talk (Free) mit Therese Terror (Menophilias/Femdex/Hyperreality) über Perspektiven und Grenzen emanzipatorischer Clubkultur
femdex – A female list lautet der Name der Wiener Initiative. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht weibliche und nicht binäre Künstler*innen innerhalb der zeitgenössischen Clubkultur und der elektronischen Musik zu fördern. Seit 2016 veranstalten sie ihre Utopia 3000 Serie in Wien. Therese Terror, selbst Dj, wird von der Arbeit und den Erfahrungen bei Femdex berichten. Außerdem werden wir der Frage nach politischer Clubarbeit nachgehen: Welche Bedingungen braucht es, um eine emanzipatorische Clubkultur zu entwickeln? Wir laden zum gemeinsamen Gespräch ein.
http://www.femdex.net/

23:00 (€ 10,-) „club against reality“ mit folgenden Künstler*innen:
THERESE TERROR (MENOPHILIAS / FEMDEX / HYPERREALITY)
Therese Terror ist DJ, Veranstalterin und Geschäftsmann. Konkret ist sie bei femdex aktiv, co-organisiert Utopia 3000 und ist für das Zur Gönnerin Line-Up verantwortlich. Sie kuratierte das Line-Up des Electric Spring Festivals 2018. Während Therese Terror in der Nacht mit Auflegen beschäftigt ist, kümmert sie sich untertags um das Rrriot Festival, das feministischen Diskurs in den Mittelpunkt stellt sowie unzählige andere Projekte, die irgendwo zwischen Erwerbsarbeit und Ehrenamt angesiedelt sind. Ihre Sets bewegen sich vor allem zwischen House, Techno, Acid, Electro und Pop. Genres sind super, Therese Terror bewegt sich jedoch relativ frei von Labels zwischen unterschiedlichen Bereichen elektronischer Musik, scheut weder Mainstream, noch Nische, und will vor allem eines: das Publikum schwitzen sehen. Sie wird in der p.m.k. nicht nur uns zum Schwitzen bringen, sondern auch unser Gast im Talk sein.
www.soundcloud.com/thereseterror
http://facebook.com/thereseterror0/
http://instagram.com/thereseterror/
https://www.residentadvisor.net/dj/thereseterrorTh

Foto: Pamela Rumann

GUNVER RYBERG LIVE (KOPENHAGEN)
The Danish artist and composer SØS Gunver Ryberg performs with an endless energy that challenges your state of consciousness: Wielding an arsenal of vigorous industrial rhythms, raw techno and expressive sound art. Her live sets are a terrifying sonic barrage of frenetic drum machines, murky drones, and walls of chaotic overdrive that aim to induce a transformative experience. SØS Gunver Ryberg’s work embodies her rich production history. Stemming from performance art, her ‘site specific’ performances, whether in the form of a sound installation, computer game soundtrack, audio walk, live club set or even debut release ‘AFTRYK’ on Contort Records, all explore the potential of acoustic space. Raw and industrial, wild and sensitive, SØS Gunver Ryberg’s music – comprising two albums and a split EP with Aisha Devi, Rrose and Paula Temple since 2014 – is closer to sound art than to pure techno. A barrage of ferocious sounds, an avalanche of epic rhythms, as merciless as a winter in Copenhagen: welcome to the modular world of SØS Gunver Ryberg. Somewhere along the intersection between electronic music and sound art, SØS's characteristic style is recognised for it's insistent rhythms, combined with a meticulous exploration of textures and timbres, raw sounds are framed by symphonic forms to create a unique expressivity.  
http://www.sosgunverryberg.com/

Foto: Emil Hornstrup Jakobsen

nita. (VISUAL ARTIST/sound:frame av)
Anita Brunnauer alias nita. lebt und arbeitet in Wien als selbstständige Grafikdesignerin. Anfang 2014 folgte die Gründung von nita. studio für visuelle gestaltung. nita. ist mitglied des sound:frame AV Labels, sowie seit beginn der stille Duzz Down San Records Graphic Ghost. Der visuelle Stil lässt sich als konstanter Wandel zwischen Tagtraum und Nachtwache, Oberfläche und Tiefgang beschreiben. Ein visueller Seiltanz zwischen Kitsch und Melancholie. Entführung in einen surrealen Bilderwald, dort wo Tiere mutieren & vergessene ahnen auf Blätter gebettet werden. nita. wird an diesem Abend für die visuelle Gestaltung in der p.m.k. sorgen.
www.studionita.at
www.soundframe.at

Foto: Ina Aydogan

WHYAMI (DEPREA)
Whyami von Innsbrucker Deprea Kollektiv wird uns ihre Interpretation von Techno demonstrieren: „Techno. obey destroy devour. ebm/acid/electro/industrial. in postfaktischen zeiten eh egal. just because we’re all doomed doesn’t mean we can’t have a good time. just rave.“

Bei unseren Veranstaltungen haben aggressives Verhalten und Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie keinen Platz! „Respecting each other is the key!“

Projektbeschreibung „reclaim your club  - club against reality – space for political club culture" – Eine Beschreibung
Techno als eine bestimmte Form eines kollektiven Lebensstils ist als urbane Musikkultur vor allem im Clubkontext verortet. Der Club dient dabei als Ort der städtischen Kanalisation von elektronischer Musik, wo Menschen Raum für Hedonismus und Eskapismus aus dem Alltag finden. Trotz des nächtlichen Ausstiegs der Menschen aus dem kapitalistischen Zwangsalltag, bleibt der Club als realer Ort Teil der Gesellschaft. Diskriminierungen, wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie werden im Clubkontext produziert und reproduziert. Außerdem wird allzu oft eine Türpolitik betrieben, die nach rassistischen und sexistischen Kriterien funktioniert. Verbale und körperliche Übergriffe sind nur ein kleiner Ausschnitt, die das gegenwärtige Clubleben ausmachen und von Seiten der Betreibenden kaum thematisiert werden. Im Zentrum steht ein finanziell erfolgreicher Abend und nicht das Erlebnis und das Wohlbefinden der Besucher*innen und die Musik der Künstler*innen. Zusätzlich funktionieren die Bookings der meisten Clubs nach den herkömmlichen gesellschaftlichen Kriterien, wo „Weiße Männer, die der Mainstream produziert, im Vordergrund stehen und ihre Bühne bekommen.“ Patriarchale Clubkultur, spiegelt den hierarchischen Platz der Frauen wider. Künstlerinnen sind eine Ausnahmeerscheinung, hingegen der Platz hinter der Bar der lächelnd servierenden Barfrau klar zugeschrieben. Musikalische und medienkünstlerische Experimente – “off the beaten track” – sucht man wie die viel zitierte Nadel im Heuhaufen. All die Problematiken der gegenwärtigen Clublandschaft – auch in Innsbruck – produzieren einen Mikrokosmos, den wir mit unserer Veranstaltungsreihe kritisch zu hinterfragen und Alternativen anzudenken versuchen. Vor diesem Hintergrund ist es unserer Meinung nach zentral, dass wir uns über die spezifische Kulturproduktion und ihre Mechanismen in Clubkontext unterhalten. Es geht dabei nicht nur darum, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse und diskriminierenden Verhaltensweisen innerhalb unserer Freiräume zu benennen, um ihnen im Sinne einer emanzipatorischen Clubkultur entgegenzuwirken. Daher werden wir mit unserem Clubformat „reclaim your club“ den Club als Raum, unsere Rolle als Veranstalter*innen in diesem Projekt reflektieren, um uns politisch zu positionieren.

  • Die Reihe „Reclaim your Club“ ist nicht auf eine bestimme Örtlichkeit konzentriert, sondern ist die „ortlose“ Idee eines Clubs – den „Club Against Reality“, die ein anderes kollektives Erlebnis ermöglichen wird. Dafür werden Räume temporär für Clubabende angeeignet. Im Zentrum von „Reclaim your Club“ werden die Besucher*innen und das Sounderlebnis stehen und nicht der Starkult um Künstler*innen. Es liegt kein primärer Schwerpunkt auf dem Dj als Künstler*in, sondern die einzelnen Veranstaltungen werden im Zentrum stehen. Das eingangs beschriebene Bild gilt es zu hinterfragen – und temporär eine andere Realität im Club zu schaffen. „Another club is possible!“.
  • Den Dancefloor erklären wir zum anonymen Raum. Wir wollen bewusst ein Zeichen gegen den gegenwärtigen panoptischen Trend, alles und jedes öffentlich zu machen. Fotos- und Videoaufnahmen sind explizit unerwünscht. „Your Dancefloor is our dancefloor is your dancefloor!“
  • „Reclaim your Club“ wird ein Ort für Techno, Experimentalmusik, Visuals Artists, und Theorie sein. „A club is more than feel good sound!“'
  • Bei unseren Veranstaltungen haben aggressives Verhalten und Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie keinen Platz! „Respecting each other is the key!“
  • Wir wollen mindestens 50% an Künstler*innen bei unseren Veranstaltungen, die sich als Frauen identifizieren. Wir wollen bewusst mit den patriarchalen Strukturen in der Clubkultur brechen: Wo Männer fast ausschließlich Männer buchen: „Music is unique, people are divers!“
  • Awareness und Safer Spaces sollen nicht nur Worthülsen sein, sondern unser übergeordnetes Ziel ist, dass sich alle Menschen bei unseren Veranstaltungen wohl, frei und sicher fühlen können. Um dieses Ziel zu erreichen, muss allen Beteiligten klar werden, dass die notwendige Sensibilität alle Verantwortungsbereiche und Akteur*innen eines Clubs betrifft. „Be aware, respect and care!“
  • „Reclaim Club Culture“ will gesellschaftliche Verhältnisse zum Thema machen. Dafür werden Menschen aus dem Feld der Club- und Technopraxis sowie aus der Theorie eingeladen. Die theoretischen Inputs werden in Form von Lesungen, Vorträgen und Diskussionen vermittelt. „Structure and strategy don’t have to be hierarchy!“

Vielen Dank an das "Reclaim Club Culture" – Netzwerk und ihrer Fibel: https://menschmeier.berlin/fibel.html

 

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