#diskursiv: Schall und Rauch - Das Denken der Weltverschwörungstheoretiker

13. Juni 2017: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe #diskursiv des Kulturkollektivs Contrapunkt begrüßten wir Thomas Rammerstorfer in der Kulturbackstube Die Bäckerei. Er ist Journalist, Referent und recherchiert u.a. zu Verschwörungstheorien. 

Die Medien werden zentral gesteuert. 9/11 war ein „Inside Job“. Es gibt keinen Klimawandel. Hinter allen spektakulären Terroranschlägen der letzten Jahre stecken CIA und Mossad. Die Bilderberger, die Freimaurer, die Illuminaten, die Juden und/oder Satan regieren heimlich die Welt. Die meisten Naturkatastrophen werden künstlich erzeugt. Es gab nie eine Mondlandung. Nazis haben UFOs gebaut und Außerirdische die Pyramiden. Impfungen nutzen nur der Pharmaindustrie. Die Erde ist in Wirklichkeit hohl. Und auch hinter dem „Islamischen Staat“ steckt Israel.

Man könnte diese Aufzählung mehr oder weniger gängiger Verschwörungstheorien fortsetzen. Vermutlich sogar tagelang. Rechte und Linke, Islamhasser und Anhänger*innen des politischen Islams, Christ*innen jeder Facon, Sekten-, Esoterik- und Satans-Jünger*innen, gutmütige Hippies und hasserfüllte Pöbler, sie sind sich oft in einem einig: Nichts ist so wie es scheint. Alles wird gesteuert. Die Geschichte ist nicht eine Geschichte der politischen, ökonomischen und sozialen Konflikte, sondern schlicht eine der Verschwörung mehr oder weniger unbekannter Mächte; je nach persönlicher Vorliebe mal gegen die „deutsche Rasse“, gegen das Christentum, gegen den Islam oder gar  gegen die Menschheit an sich. Es gibt weder Zu- noch Unfälle. Überall steckt ein geheimer Plan dahinter, und der führt ins Verderben.

Die Vorstellungen einer Weltverschwörung sind alt. Verschwörungstheorien haben aber durch die modernen Medien, insbesondere das Web 2.0 eine neue Dynamik erfahren. Im Sekundentakt werden dort absurde Theorien und dreiste Lügen über den Globus gejagt. Geglaubt wird, was man glauben will, was sich mit bereits vorhandenen Vorurteilen deckt, was das „Wiederlegen“ der Horrorgeschichten noch schwieriger macht. Dazu wird argumentiert, es habe in der Geschichte ja tatsächlich auch Komplotte gegeben, von simplen Versuchen politischer Einflussnahme durch Lobbyisten bis zum Mordkomplott. Das stimmt, allerdings ist der Umkehrschluss „es gab Verschwörungen, also ist alles Verschwörung“ natürlich absurd.

Eingedenk dessen, das die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Systems – Krisen, Kriege, Ungerechtigkeit – offensichtlich und wissenschaftlich belegbar sind, ist eine Beschäftigung mit Weltverschwörungstheorien bestenfalls Zeitverschwendung. Schlimmeren Falls leistet man jenen politischen Kräften Vorschub, die die Fehler des Systems bestimmten Personengruppen zuschanzen wollen – mit den aus dem letzten Jahrhundert bekannten verheerenden Folgen.

#diskursiv: Was ist Heterodoxe Ökonomie? 
Einblicke in die Alternativen zur ökonomischen Standardlehre

15.12.2016/SoWi: #diskursiv - Was ist Heterodoxe Ökonomie?

Am 15. Dezember fand zusammen mit dem Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit die Veranstaltung zum Thema: Was ist Heterodoxe Ökonomie? statt. Der Vortrag wurde von Priv.-Doz. Dr. Jakob Kapeller gehalten.

„Heterodoxe Ökonomie“ fungiert gemeinhin als Sammelbegriff für jene Denkschulen und Traditionen des ökonomischen Denkens, die in wesentlichen Punkten von der neoklassischen ökonomischen Standardlehre abweichen. Vor diesem Hintergrund versucht der Vortrag den Status heterodoxer ökonomischer Ansätze in Forschung und Lehre auszuloten sowie die Frage zu diskutieren, ob und inwiefern die heterodoxe Ökonomie ein eigenständiges Forschungsprogramm bildet, das über die geteilte Kritik an einem dominanten Paradigma hinausgeht.

Jakob Kapeller arbeitet als Ökonom und Philosoph am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Johannes Kepler Universität Linz. Zurzeit fungiert er als Leiter des Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (www.icae.at) sowie als Herausgeber des Heterodox Economics Newsletter.

Mehr Information: www.heterodoxnews.com

Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit Wissenschaft und Verantwortung (WuV), OrgSoc - Forschungsplattform Organizations & Society und das Haus der Begegnung
 statt.
capitalism kills love
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